Digitaler Nachlass: Wie übergebe ich Zugänge sicher?
Krypto-Wallets, Apple-ID, Passwortmanager, Foto-Bibliotheken — wie Sie digitale Werte und Zugänge im Erbfall an Ihre Erben weitergeben.
3 Min. Lesezeit
Digitaler Nachlass ist ein wachsendes Problem. Apple-Fotos, Krypto-Wallets, Domain-Eigentümerschaften, Passwortmanager — alles wertvoll, aber ohne Vorbereitung im Erbfall meist verloren. Diese Anleitung zeigt, wie Sie das vermeiden.
Schicht 1: Cloud-Konten
Apple-ID (Nachlasskontakt)
- Einstellungen → Apple ID → Nachlasskontakt
- Wählen Sie 1–2 Vertrauenspersonen
- System generiert einen Zugangsschlüssel — ausdrucken, in Vorsorgemappe legen
- Im Erbfall: Erben senden Sterbeurkunde + Zugangsschlüssel an Apple → Zugriff auf iCloud-Daten
- Was übergeht: iCloud-Fotos, iCloud-Drive, App-Daten (auch Schließfach-Doku-Sync), Notizen, Mails — nicht in iCloud Schlüsselbund (Passwörter)
Google-Konto
- myaccount.google.com → Daten und Datenschutz → Inaktiv-Konto-Manager
- Definieren Sie Inaktivitäts-Zeitraum (3–18 Monate)
- Bestimmen Sie Vertrauensperson, an die Daten gehen
- Was übergeht: Google Drive, Fotos, YouTube, Domains (über Google Domains)
Microsoft, Dropbox, Adobe etc.
- Microsoft: kein Nachlasskontakt. Erben müssen Sterbeurkunde einreichen
- Dropbox: keine direkte Lösung — Passwortmanager-Erbe-Funktion ist der einzige Weg
- Adobe Creative Cloud: lizenzgebunden, geht mit Tod verloren — Cancellation oder Übertragung möglich
Schicht 2: Passwortmanager
Der wichtigste digitale Knotenpunkt. Ohne Passwortmanager-Zugang sind die meisten Online-Konten verloren.
1Password
- Familienplan inklusive Notfallzugang (Recovery)
- Mit Recovery-Code aus Vorsorgemappe können Familienmitglieder Master-Passwort zurücksetzen
Bitwarden
- Notfallzugang: Andere Bitwarden-Nutzer können bei Inaktivität Zugang anfordern, Sie haben Wartezeit (1–90 Tage) zur Verweigerung
Keeper, Dashlane, ProtonPass
- Ähnliche Notfall-Funktionen
Eigene Konfiguration
- 1–2 Erben als Notfallkontakte
- Wartezeit: 7–30 Tage (genug Zeit, falls Sie nur im Urlaub sind)
- Vorsorgemappe mit Hinweis: „Passwortmanager: 1Password, Notfallzugang aktiviert für [Name]“
Schicht 3: Krypto-Werte
Krypto-Werte sind ohne Seed-Phrase oder Private Key verloren. Erben können selbst mit Sterbeurkunde nichts erreichen — die Krypto-Welt hat kein „Bank-Erbschein”.
Hardware-Wallet (Ledger, Trezor)
- Hardware-Wallet selbst: ins Bankschließfach
- Seed-Phrase getrennt: auf Stahl-Plate gestempelt, in einem anderen Bankschließfach oder bei vertrauter Person
- App-Doku: Eintrag „Hardware-Wallet Ledger Nano X, Inhalt: 0,5 BTC, 4 ETH, Seed-Phrase aufbewahrt bei: [Person/Standort], Anleitung im PDF beim Notar”
Anleitungs-PDF
Für Erben, die nicht Krypto-affin sind, eine Schritt-für-Schritt-Anleitung:
- Hardware-Wallet aus [Standort] holen
- Seed-Phrase aus [Standort] holen
- Bei Inkompatibilität: Wallet bei [Krypto-Steuerberater] beauftragen
- Verkauf über regulierte Börse (Coinbase, Bitpanda) — KYC-fähig
Krypto-Steuerberater
Empfehlung: einen Steuerberater mit Krypto-Erfahrung vorab in der Vorsorgemappe nennen — Erben sparen Wochen Recherche.
Schicht 4: Foto- und Dokument-Bibliotheken
iCloud-Fotos
- Mit Apple-Nachlasskontakt: Zugriff
- Bei Familien-Album: in „geteilte Alben” konvertieren — Familie hat lebenslang Zugriff
Google-Fotos
- Inaktiv-Konto-Manager regelt das
Lokale Backups
- Time Machine (auf externer Festplatte): Doku in Vorsorgemappe — wo liegt sie, wie wird sie entschlüsselt
- NAS: Admin-Zugang in Vorsorgemappe
- Verschlüsselte externe Festplatten: Passwort separat aufbewahren
Was nicht im Tresor liegen sollte
- Originalt-Testament (siehe Erbe-Checkliste — Henne-Ei-Problem)
- Klar-Passwort des Passwortmanagers (sicherheitsanfällig)
- Hardware-Wallet zusammen mit Seed-Phrase (single point of failure)
Was in die Vorsorgemappe gehört
| Element | Wo aufbewahren |
|---|---|
| Apple-Nachlasskontakt-Schlüssel | Ausgedruckt, in Vorsorgemappe |
| Passwortmanager-Notfall-Hinweis | „1Password, [Email], Notfall-Recovery für: [Name]“ |
| Seed-Phrase-Standort-Hinweis | „Im Bankschließfach Sparkasse XYZ, Fach 4711” |
| Krypto-Steuerberater-Kontakt | Name, Telefon, Email |
| App-Inventar-PDF | passwortgeschützt, plus Passwort separat |
Praktische Vorgehensweise
- Apple-Nachlasskontakt sofort aktivieren (5 Minuten)
- Passwortmanager-Notfallzugang konfigurieren (10 Minuten)
- Krypto-Inventur: pro Wallet — Standort Hardware, Standort Seed, Inhalt grob
- Anleitungs-PDF für Erben schreiben (eine Seite pro Wallet)
- Vorsorgemappe ergänzen
- Jährlich aktualisieren
So gehen digitale Werte nicht im Erbfall verloren — sie übergehen kontrolliert und mit minimalem Stress für Ihre Erben.
Häufige Fragen
Was ist mit meinen Apple-, Google- und Microsoft-Konten?
Apple bietet einen Nachlasskontakt (Settings → Apple ID → Nachlasskontakt). Google: „Inaktiv-Konto-Manager". Microsoft: keine direkte Lösung, Erben müssen Sterbeurkunde einreichen. Aktivieren Sie alles, was geht.
Krypto-Wallets im Erbfall?
Ohne Seed-Phrase oder Hardware-Wallet-Zugang sind Krypto-Werte verloren. Hinterlegen Sie die Seed-Phrase auf Stahl gestempelt im Bankschließfach mit klarer Anleitung — getrennt von der Hardware-Wallet.
Sind Passwortmanager der richtige Weg?
Ja. 1Password, Bitwarden, Keeper bieten alle eine Erbe-Funktion (Notfallzugang). Mit Wartezeit konfiguriert: vertrauensvoll und steuer-/rechtssicher.