Erbe vorbereiten: Checkliste für Wertsachen-Dokumentation
Schritt-für-Schritt-Checkliste, wie Sie Wertsachen für Ihre Erben so dokumentieren, dass sie sofort wissen, was wo liegt — Bankschließfach, digitaler Nachlass, Familieninfos.
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Ein gut vorbereitetes Erbe ist eines der größten Geschenke, die Sie Ihrer Familie machen können. Erben suchen sonst Wochen nach Versicherungspolicen, Schließfach-Schlüsseln und unvollendeten Verträgen. Diese Checkliste hilft Ihnen, das zu vermeiden.
Phase 1: Inventur (1–2 Wochenenden)
Schritt 1: Alle Aufbewahrungsorte erfassen
- Bankschließfächer (Bank, Filiale, Fachnummer)
- Heimtresor (Standort, Tresor-Modell, VdS-Klasse)
- Schmuckkasten/Vitrine
- Verstecke (versiegelte Briefe, Schubladen)
- Bei Anwalt/Notar hinterlegte Dokumente
- Externes Lager (Atelier, Container)
Schritt 2: Wertgegenstände pro Standort dokumentieren
Jedes Stück mit:
- Bezeichnung, Marke, Modell
- Wert mit Datum
- Foto (mehrere Perspektiven)
- Beleg/Gutachten als PDF
- Provenienz / Familienzugehörigkeit (Notiz)
- Spezifische Erbverfügung („laut Testament an Tochter Anna”)
Schritt 3: Belege scannen
- Originalrechnungen
- Wertgutachten
- Versicherungspolicen
- Garantiekarten und Zertifikate
Phase 2: Familieninfos festhalten
Schritt 4: Geschichten und Bedeutungen
Wertvoller Schmuck hat oft eine Geschichte, die nur Sie kennen. Diese geht ohne Doku verloren. Nutzen Sie das Notiz-Feld pro Stück:
„Großmutters Verlobungsring von 1948. Geschenk meines Großvaters Albert nach seiner Rückkehr aus dem Krieg. Soll an meine Enkelin Marie weitergegeben werden, wenn sie 21 wird.”
Erben erfahren so nicht nur den Wert, sondern auch die Herkunft.
Schritt 5: Vollmachten und Zugänge
- Vorsorgevollmacht (für medizinische Entscheidungen)
- Generalvollmacht mit Klausel „über den Tod hinaus” (für Bankgeschäfte)
- Bankschließfach-Bevollmächtigung
- Apple-Nachlasskontakt (Einstellungen → Apple ID)
- Passwortmanager-Erbe-Funktion (1Password, Bitwarden bieten das)
Phase 3: Vorsorgemappe erstellen
Schritt 6: Physische Vorsorgemappe
Eine leere Aktenmappe, deutlich beschriftet, an erkennbarer Stelle (z.B. „Im Falle des Falles” auf dem Schreibtisch oder bei vertrauter Person):
- Übersichtsblatt: Wer informiert werden soll, wo welche Unterlagen sind
- Original-Testament oder Hinweis auf notarielles Testament beim Notar
- App-Inventar-PDF (passwortgeschützt)
- Passwort-Hinweis (separater Briefumschlag, anders versiegelt)
- Bankkonten-Übersicht (Bank, IBAN, Online-Banking-Hinweis)
- Versicherungspolicen: Hausrat, Wertsachen, Lebens-, Renten-Versicherungen
- Vorsorgevollmacht in Original
- Patientenverfügung
- Beerdigungswünsche
Schritt 7: Apple-Nachlasskontakt
- Einstellungen → Apple ID → Nachlasskontakt
- Wählen Sie 1–2 Vertrauenspersonen
- Sie erhalten einen Zugangsschlüssel, den Sie ausdrucken und in die Vorsorgemappe legen
- Im Erbfall können Erben damit (zusammen mit Sterbeurkunde) Zugriff auf Ihre iCloud-Daten beantragen — inklusive der App-Doku
Phase 4: Pflege
Schritt 8: Jährliche Aktualisierung
- Termin im Kalender, „Nachlass-Update”, z.B. zum Geburtstag
- Inventar in der App durchgehen, Werte anpassen
- Vorsorgemappe-PDF aktualisieren
- Bei Notar hinterlegte Doku austauschen
Was Erben sofort tun müssen
Wenn Sie das Erbe nun erben statt vorbereiten:
- Sterbeurkunde beim Standesamt
- Vorsorgemappe suchen — sie löst die meisten Folgefragen
- Erbschein beim Nachlassgericht beantragen (oder notarielles Testament eröffnen lassen)
- Bankkonten und Schließfächer mit Erbschein freischalten lassen
- Versicherungen informieren (Hausrat, Lebens, Renten)
- App-Inventar-PDF als Basis für Erbschaftsteuer-Erklärung nutzen
- Apple-Nachlasskontakt-Anfrage für iCloud-Zugang
Was Sie vermeiden sollten
- Testament im Bankschließfach (Erben kommen erst nach Erbschein dran — Henne-Ei)
- Doku nur auf einem Gerät ohne iCloud-Sync: bei Geräteverlust verloren
- Komplette Geheimhaltung: Erben suchen wochenlang
- Keine Vorsorgemappe: 90 % der Probleme ließen sich vermeiden, wenn Erben einen einzigen Anlaufpunkt hätten
Steuerliche Aspekte
- Erbschaftsteuer-Freibeträge: Ehepartner 500.000 €, Kinder 400.000 €, Enkel 200.000 €, andere 20.000 €
- Schenkung zu Lebzeiten: 10-Jahres-Frist — ein Stück, alle 10 Jahre erneut nutzbar
- App-Doku: hilft Erben, Wertfeststellung effizient zu machen — keine Sachverständigen-Stress nötig
Eine gute Vorbereitung ersetzt nicht den Notar — aber sie macht den Unterschied zwischen einem geordneten Erbe und einem chaotischen.
Häufige Fragen
Wann sollte ich anfangen, das Erbe vorzubereiten?
Im Idealfall ab 50, spätestens ab 60. Aber: jederzeit, wenn Vermögen sich strukturiert hat. Eine Vorsorgemappe mit App-Doku braucht ein Wochenende für die Erst-Erstellung — danach ist die Pflege eine Stunde pro Jahr.
Brauche ich einen Notar, oder reicht App-Doku plus Vorsorgemappe?
Für die Inventarisierung der Wertsachen: App reicht. Für die rechtliche Verteilung (Testament, Erbverteilung): Notar empfohlen, vor allem bei größeren Vermögen oder Patchwork-Familien.
Was ist eine Vorsorgemappe?
Eine physische Sammlung wichtiger Dokumente und Hinweise: Testament, Vollmachten, Bankkonten, Schließfächer, App-PDF, Beerdigungswünsche. Erben finden sie im Notfall sofort.