Wertgegenstände richtig fotografieren — Anleitung für Versicherung und Erben
Wie Sie Wertgegenstände so fotografieren, dass die Fotos im Versicherungs- und Erbfall halten: Licht, Hintergrund, Maßstab, Seriennummern, mehrere Perspektiven.
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Ein gutes Doku-Foto ist nicht das, was schön aussieht — sondern das, was im Versicherungs- oder Erbfall als Beweis hält. Diese Anleitung zeigt, was den Unterschied macht.
Warum Fotos so wichtig sind
Im Schadensfall haben Versicherer keine andere Quelle für Authentizität, Zustand und Wert. Ein technisch sauberes Foto kann den Unterschied machen zwischen vollständiger Regulierung und Streit über die Wertschätzung. Im Erbfall geben Fotos den Erben ein klares Bild dessen, was hier eigentlich vorhanden ist.
Die 5 Foto-Standards
1. Licht
- Tageslicht durch ein nordseitiges Fenster — gleichmäßig, kein Schlagschatten
- Vermeiden: direkte Sonne (überstrahlt), Glühbirnen-Licht (gelblich), Blitz (abrupte Reflexe)
- Bei wenig Licht: weiße Tischlampe + weißes Blatt als Reflektor
- Bei Schmuck: zwei Lichtquellen leicht versetzt für plastische Tiefe
2. Hintergrund
- Weißes Blatt Papier ist 90% des Geheimnisses
- Bei dunklen Objekten: schwarzer Stoff oder Papier alternativ
- Vermeiden: gemusterte Tischdecken, Holz mit starkem Maserung-Kontrast, Reflektionen
3. Mehrere Perspektiven
Pro Objekt mindestens:
- Front: zentrale Ansicht
- Rückseite: bei Kunst und Schmuck oft entscheidend (Stempel, Punzierungen, Galerie-Etiketten)
- Detail: signifikante Stellen (Stein bei Schmuck, Werk-Innenseite bei Uhren)
- Seriennummer / Punzierung: im Makro-Modus, sehr scharf
- Maßstab: ein Foto mit z.B. einer 1-Euro-Münze daneben
4. Beleg gleich mit-fotografieren
Wenn Sie das Objekt fotografieren, fotografieren Sie auch:
- Rechnung / Beleg
- Garantiekarte / Echtheitszertifikat
- Originalbox / -verpackung
Das alles wandert in die App-Doku als zusätzliche Foto-Reihe.
5. Schärfe
- iPhone: doppelt antippen für Schärfe-Lock auf gewünschter Stelle
- Stativ bei Makro-Aufnahmen (Wackeln zerstört Detail-Schärfe)
- Vor dem Speichern prüfen: bei 100% Vergrößerung scharf?
Objekt-spezifische Tipps
Schmuck
- Auf weißem Hintergrund mit leichtem Stand-Reflektor
- Stein im Detail-Modus, mehrere Lichtwinkel
- Punzierung extra-Foto (im Makro)
- Größenmaßstab mit Lineal
Uhren
- Front (Zifferblatt klar erkennbar)
- 3/4-Ansicht (zeigt Krone, Größe der Uhr)
- Verschluss/Schließe von unten
- Gehäuserückseite mit Seriennummer
- Werk-Innenseite, falls offen
Kunst
- Mit Stativ (Wackeln zerstört Bild-Schärfe)
- Kein Blitz (zerstört Plastizität)
- Frontale Total-Ansicht
- Detail-Aufnahmen kunsthistorisch relevanter Stellen
- Rückseite mit allen Etiketten und Stempeln
Münzen
- Vorder- und Rückseite separat
- Schräges Streiflicht zeigt Prägung-Tiefe besser als Frontal-Licht
- Rand bei höherwertigen Stücken (Riffelung-Authentizität)
Elektronik
- Front, Seitenansicht, Rückseite
- Seriennummer-Aufkleber im Makro
- Belege (Rechnung, ggf. Reparatur-Belege)
Foto-Lagerung in der App
Die App speichert pro Objekt mehrere Fotos — nutzen Sie das. Empfohlene Foto-Reihenfolge:
- Hauptansicht
- Detail
- Seriennummer / Punzierung
- Beleg / Box / Zertifikat
Beim PDF-Export werden alle Fotos pro Objekt eingebettet.
EXIF-Daten als Plausibilitäts-Indikator
Smartphone-Fotos enthalten EXIF-Daten: Aufnahmedatum, Geräte-Typ, GPS-Koordinaten. Diese Daten zeigen Versicherern, dass die Fotos vor dem Schadensfall entstanden sind — ein wichtiger Vertrauensanker. Die App löscht EXIF-Daten nicht.
Wichtig: Wenn Sie aus Datenschutzgründen GPS aus den Fotos entfernen wollen (auf iOS möglich), tun Sie das vor der Aufnahme deaktivierend, nicht nachträglich — sonst wirken Fotos rekonstruiert.
Häufige Fehler
- Nur ein Foto pro Objekt: ein Hauptfoto genügt nie als Versicherungs-Beleg
- Selfie-Hintergrund: Schmuck im Spiegelbild der Kamera — wirkt unprofessionell
- Schlechtes Licht: Schatten verzerren Wertangabe
- Kein Maßstab: ohne Größenanker kann Versicherer das Objekt nicht einordnen
- Foto-Sammlung in der iCloud-Photos-Bibliothek statt in der App: bei Apple-ID-Verlust weg
Häufige Fragen
Reicht das iPhone als Kamera?
Ab iPhone 12 ja, vollkommen. Wichtiger als die Kamera ist das Licht, der Hintergrund und die Mehrfach-Perspektive.
Brauche ich ein professionelles Foto-Setup?
Nein. Eine helle Tischlampe, ein weißes Blatt Papier als Hintergrund und Tageslicht durchs Fenster reichen für 95% aller Fälle. Bei wertvollen Sammlungen lohnt einmalig ein Foto-Tisch mit Diffusor (~80 €).
Sollte ich Fotos mit oder ohne Maßstab im Bild?
Beides. Ein Foto mit Maßstab (z.B. eine 5-Cent-Münze daneben) und eines ohne. Versicherer und Sachverständige nutzen den Maßstab zur Plausibilitäts-Kontrolle.