Hausrat-Inventar für die Versicherung erstellen — Anleitung mit Vorlage
Wie Sie ein Hausrat-Inventar als Nachweisgrundlage erstellen: Umfang, Fotos, Wertschätzung, PDF-Export und sichere Aufbewahrung.
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Bei einer Hausrat-Versicherung ist eine nachvollziehbare Beleglage im Schadensfall zentral. Bei Diebstahl, Brand oder Wasserschaden fehlen oft Fotos, Rechnungen oder Wertangaben. Diese Anleitung zeigt, wie Sie ein Inventar erstellen, das als Nachweisgrundlage helfen kann.
Was Hausrat-Versicherer häufig verlangen
Die meisten Verträge fordern keine Vorab-Inventur — aber im Schadensfall häufig ein „glaubhaftes Verlustverzeichnis”. Je nach Vertrag kann das heißen:
- Liste aller verlorenen Gegenstände mit Bezeichnung
- Wert zum Zeitpunkt des Schadens (Wiederbeschaffungspreis)
- Belege wo möglich (Rechnung, Kontoauszug, Foto)
- Bei höherwertigen Stücken: Wertgutachten oder Schätzung
Ohne solche Unterlagen ist es deutlich schwerer, Verluste und Werte plausibel nachzuweisen.
Was ins Hausrat-Inventar gehört
Mindestumfang
- Möbel (insbesondere Designermöbel, antike Stücke)
- Elektronik (TVs, Computer, Hi-Fi, Smart Home)
- Haushaltsgeräte (Espresso-Maschinen, Geschirr-Sets)
- Kleidung (insbesondere Designer-Stücke, Pelze, Maßanfertigung)
- Bücher und Sammlungen (Plattensammlungen, Bibliotheken)
- Sportgeräte (E-Bikes, Skis)
- Schmuck und Uhren (separat als Wertsachen!)
Pro Raum erfassen
Praktischer Tipp: pro Raum ein eigenes „Schließfach” in der App anlegen („Wohnzimmer”, „Schlafzimmer”, „Arbeitszimmer”, „Keller”). So bleibt die Doku übersichtlich, und im Schadensfall können Sie raumweise Verluste rekonstruieren.
Werte richtig schätzen
Standard-Hausrat
- Möbel: Wiederbeschaffungspreis, nicht Anschaffungspreis von vor 10 Jahren
- Elektronik: aktueller Neupreis (auch wenn Ihr Modell älter ist — die meisten Hausrat-Verträge sind „Neuwert-Versicherungen”)
- Kleidung: realistische Wiederbeschaffung — keine Fantasiepreise
Wertsachen (Schmuck, Uhren, Kunst)
- Bis ~5.000 €: eigene Schätzung mit Foto und Beleg reicht meist
- Ab ~5.000 €: Wertgutachten vom Sachverständigen (kostet 50–250 €, meist gut investiert)
- Ab ~25.000 €: jährliche Wertfortschreibung empfohlen, gerade bei volatilen Märkten (Uhren!)
Foto-Standards
Pro Objekt mindestens:
- Übersichts-Foto (zeigt Objekt komplett, mit Maßstab im Bild — z.B. Fünf-Euro-Schein)
- Detail-Foto (Materialien, Punzierung, Logo)
- Seriennummer (bei Elektronik, Uhren — im Makro-Modus)
- Belegfoto (Rechnung als PDF oder Foto)
Die App speichert mehrere Fotos pro Objekt — nutzen Sie das.
Wo Sie das Inventar aufbewahren
Nicht im Haus. Im Brandfall ist die Doku sonst genauso verbrannt wie der Hausrat. Optionen:
- iCloud-Sync der App (in Apples Cloud, verschlüsselt)
- Regelmäßiges PDF-Backup beim Notar oder einer vertrauenswürdigen Cloud
- Bei Verwandten (passwortgeschütztes PDF auf USB-Stick)
Vorlage: Strukturiertes Vorgehen
Phase 1: Inventur (1–2 Wochenenden)
- Pro Raum durchgehen, jeden Wertgegenstand fotografieren
- App-Eintrag mit Foto, Wert, Beleg falls vorhanden
- Belege scannen oder abfotografieren, an Objekt anhängen
- Bei zweifelhaftem Wert: kurze Internet-Recherche (eBay-Verkaufspreise als Indikator)
Phase 2: Wertgutachten (für Einzelstücke über ~5.000 €)
- Sachverständigen-Termin (Schmuck: Juwelier-Verbund-Sachverständige; Uhren: spezialisierte Auktionshäuser; Kunst: Galerien, Museum-Kontakt)
- Gutachten als PDF an das Objekt in der App anhängen
Phase 3: PDF-Bericht und Aufbewahrung
- Jährlich: Gesamt-Bericht „alle Räume” mit Aktivitätsverlauf, optional passwortgeschützt
- Dezentral aufbewahren (siehe oben)
Phase 4: Pflege
- Nach jeder Anschaffung über 1.000 €: in der App erfassen
- Jährliche Re-Inventur: nicht mehr vorhandene Stücke als „entnommen” markieren (App-Verlauf bleibt nachvollziehbar)
Häufige Fehler
- Nur eine grobe Liste in einer Tabelle — ohne Fotos beweisbar nicht
- Inventarliste auf dem PC, der mit verbrennt — Doku ohne Off-Site-Backup
- „Versichert ist alles bis 100.000 €” als Begründung, keine Doku zu führen — Versicherungssumme ersetzt keine Nachweise
- Wertsachen-Sublimit übersehen — Schmuck und Uhren haben oft eigene niedrigere Caps
Häufige Fragen
Verlangt die Hausrat-Versicherung wirklich ein Inventar?
Eine vollständige Inventarliste ist meist nicht Vertragsbestandteil — aber im Schadensfall müssen Sie Verluste nachvollziehbar belegen. Welche Unterlagen nötig sind, hängt von Ihrem Versicherer und Vertrag ab.
Wie genau muss eine Wertschätzung sein?
Bei Standard-Hausrat reichen plausible Wiederbeschaffungspreise. Bei höherwertigen Einzelstücken (über ~5.000 €) sollten Wertgutachten oder professionelle Schätzungen vorliegen, die die App als PDF an das Objekt hängt.
Wie oft sollte ich das Inventar aktualisieren?
Mindestens jährlich plus nach größeren Anschaffungen ist sinnvoll. Die genaue Erwartung sollten Sie mit Ihrem Versicherer abstimmen.